Die haben es ja faustdick hinter den Ohren

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Ratgeber Ohren

Ohren sind so ein buntes Thema. Es gibt sie in verschiedensten Formen und Farben, stehend und hängend, mit viel und wenig Fell. Und mit vielen verschiedenen Aufgaben. Selbst die Namen können sich unter­scheiden. Beim Hasen spricht man von Löffeln, beim Wildschwein von Tellern und beim Rehwild von Lauschern.

Bestandteile des Ohres

Das Ohr wird unterteilt in Außenohr, Mittelohr und Innenohr. Das Außenohr umfasst die Ohrmuschel, den Gehörkanal und geht bis zum Trommelfell. Das Mittelohr besteht aus der Paukenhöhle, den Gehör­knöchelchen und der Ohrtrompete. Das Innenohr setzt sich zusammen aus der Hörschnecke und dem Gleich­gewichts­organ.

Aufgaben des Ohres

Hören

Das Hören ist die bekannteste Aufgabe des Ohres. Hierbei werden Schall­wellen durch die Ohrmuschel, den Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Über die Gehör­knöchelchen werden diese Schall­wellen im Innenohr, genauer gesagt in der Hörschnecke, in elektrische Impulse umge­wandelt. Diese elektrischen Impulse werden an den Hörbereich im Gehirn weiter­geleitet. Und hier werden die Signale dann der Sprache, dem Vogel­gezwitscher, dem Hunde­bellen, Katzen­miauen oder anderen Geräuschen und Klängen zugeordnet.

Richtungsortung von Geräuschen

Viele Tiere können Ihre Ohrmuschel drehen und damit noch deutlich besser einordnen, woher die Geräusche kommen.

Gleichgewicht

Eine weitere Aufgabe des Ohres betrifft das Gleichgewicht. Das Gleich­gewichts­organ sendet hierbei permanent Signale an die Augen und Muskeln. Durch diese Signale wird Geschwindigkeit, Drehung oder Schieflage wahrgenommen.

Körpertemperatur­regulierung

Bei einigen Tieren, zum Beispiel Hasen und Elefanten, wirkt das Ohr als Temperatur­regler. Dies funktioniert, in dem das Ohr besonders gut durch­blutet wird und ein sehr dünne Haut über den Blutgefäßen ist. Dadurch kann überschüssige Wärme an die Umwelt abgegeben werden.

Kommunikation

Im Tierreich wird viel über Körper­sprache kommuniziert. Hierbei spielen auch die Ohren eine große Rolle, die nach Bedarf aufgestellt oder angelegt werden sowie andere Positionen einnehmen können.

So kann damit unter anderen Neugier, Angst und potentieller Angriff ausgedrückt werden.

Welche Symptome hat ein krankes Ohr?

Je nach Lokalisation des erkrankten Bereiches verändern sich die Symptome.

So kann bei einer äußeren Erkrankung die Ohrmuschel verdickt aussehen, zum Beispiel bei einem Blutohr, oder sich das Ohr heißer anfühlen oder gerötet sein. Bei einigen Erkrankungen, wenn Hefen und/oder Bakterien beteiligt sind, kann das Ohr anfangen, sehr unangenehm zu riechen. Bei Ohren­entzündungen oder Fremd­körpern, die sich auch mal im Ohr verfangen können, kann es zu vermehrtem Kopf­schütteln oder auch zu einer Kopf­schiefhaltung kommen.

Sollte das Gleich­gewichts­organ betroffen sein, kann es zu einem schwankenden Gang und in besonders stark betroffenen Fällen auch zu Übelkeit führen.

Was für Erkrankungen gibt es?

Es gibt viele verschiedene Erkrankungen, die ein Ohr haben kann.

Die erste wichtige Gruppe sind Erkrankungen, die angeboren sind. Die größte Gruppe der angeborenen Erkrankungen sind Patienten, die aufgrund von Rasse­standards Ohr­probleme entwickeln. Per Definition sind wir bei vielen dieser Patienten im Qualzucht­bereich. Hierbei sind besonders Hunde mit sehr langen Ohrmuscheln betroffen. Durch diese anatomischen Veränderung kann das Ohr nicht gut belüftet werden und es kommt häufig zu Entzündungen. Viele dieser Hunde können auch nicht so gut hören, da die Schall­wellen nicht optimal transportiert werden können. Zusätzlich sind bei einigen Tieren die Ohren so lang, dass sie beim Laufen verletzt werden können. Bei den Widder­kaninchen, die auch als Qualzucht gelten, kommt zu den Schlapp­ohren häufig noch ein deutlich verengter Gehörkanal dazu, der den Abfluss von Sekret erschwert.

Bei allen Tieren können sich die gefürchteten Grannen im Gehörgang festsetzen. Oder es kann zu einem sogenannten Blutohr kommen, bei dem ein Gefäß in der Ohrmuschel geplatzt ist und sich dann ein schmerzhaftes Hämatom bildet. Häufige Erkrankungen sind auch Entzündungen des Gehörganges mit bakterieller oder hefiger Beteiligung.

Manchmal ist auch die Symptomatik am Ohr nur ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Erkrankung, wie zum Beispiel eine Allergie oder eine Schild­drüsen­erkrankung.

Es gibt natürlich noch viele weitere Erkrankungen; die alle hier zu nennen, würde allerdings den Rahmen sprengen.

Wie sieht die Diagnostik aus?

Die Anfangs­diagnostik bei einem Patienten, der wegen Ohr­problemen vorstellig wird, ist bei allen gleich. Zuerst wird eine allgemeine Unter­suchung durchgeführt. Wichtig ist diese, um auszuschließen, dass noch weitere Probleme vorhanden sind und das Ohr nur ein weiteres Symptom und nicht die Ursache ist.

Anschließend wird das Ohr genau untersucht. Hierbei wird mit einem Otoskop der äußere Gehörgang untersucht. Anschließend wird ein Tupfer von dem Ohr genommen, der direkt unter einem Mikroskop angeschaut wird.

Wichtig zu wissen ist, dass wir mit diesen Untersuchungs­methoden nur das äußere Ohr anschauen können. Alles, was nach dem Trommel­fell kommt, ist mit diesen Untersuchungs­methoden nicht beurteilbar.

Je nach Befund und Symptomen des einzelnen Patienten kann es deswegen sein, dass zusätzlich ein Röntgen, eine Video­otoskopie oder ein CT durchgeführt werden sollte.

Wie sieht die Therapie aus?

Die Therapie ist abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung.

Bei einem Fremd­körper muss dieser in einer Narkose aus dem Ohr mithilfe einer speziellen Zange entfernt werden. Bei Ohrentzündungen müssen Medikamente in das Ohr eingegeben werden. Bei Gleichgewichts­problemen können Infusionen notwendig sein.

Bei Problemen mit Knochen­beteiligung kann auch eine Operation notwendig sein.

Je nach Fall muss die Therapie also individuell angepasst werden.

Fun Facts

Bei der Schleier­eule sitzen die beiden Ohren auf unterschiedlichen Höhen. So kann sie ihre Beute besser orten.

Die größten Ohren besitzt der Afrikanische Elefant; sie können eine Länge von bis zu 2 Metern und eine Breite von 1 Meter erreichen. Er benötigt sie für die Temperatur­regulation in der heißen Savanne.

Die Haarpinsel auf den Ohren vom Luchs sorgen dafür, dass die Schall­wellen noch besser in das Ohr gelenkt werden; damit hört er Geräusche, die bis zu einem Kilometer weit weg sind.

Dies sind nur ein paar Beispiele, wie beeindruckend die Ohren in der Tierwelt sind.