Die Entwurmung beim Hund
26. März 2018

Der Kreuzbandriss

TPLO = Tibial Plateau Leveling Osteotomy; TTA = Tibial Tuberosity Advancement

Beim sogenannten Kreuzbandriss handelt es sich in der Regel zu 99%, um den Riss des vorderen Kreuzbandes, das hintere Kreuzband ist nur in einem Prozent der Fälle betroffen. Typisch für diese Erkrankung ist eine plötzlich auftretende, hochgradige Lahmheit des betroffenen Hinterbeines. Allerdings gibt es auch schleichende Verläufe, mit immer wiederkehrenden Lahmheitsepisoden. Dabei wird oft eine begleitende Arthrose im Kniegelenk beobachtet. Betroffen sind in der Regel ältere, teilweise übergewichtige Hunde, aber auch junge Hunde und Katzen.

Bei den älteren Patienten hat sich das vordere Kreuzband im Laufe des Lebens verschlissen. Da es wie ein gedrehtes Seil aus vielen Seelen (Fasern) aufgebaut ist, verschleißt es vergleichsweise zum Seil, indem durch Belastungen immer wieder einige Seelen reißen, bis eine banale Belastung, z.B. der Sprung ins Auto, die restlichen Anteile, schlagartig reißen lassen kann.

Bei jungen, sportlichen Hunden tritt die Erkrankung in Analogie zum Fußballer/Skifahrer in der Regel dann auf, wenn das Knie im leicht gebeugten Zustand unter Last rotiert (gedreht) wird.

Bei beiden Patientengruppen zeigt sich in der Regel eine sofortige starke Lahmheit, d.h. der Patient steht nicht mehr auf diesem Bein und hält das Knie stark gebeugt. Im Rahmen der tierärztlichen Untersuchung ist der Schmerz am/im Knie zu lokalisieren und die sogenannte „Schubladenprobe“ beweist die Ruptur des vorderen Kreuzbandes. Normalerweise verhindert das vordere Kreuzband, dass der Unterschenkel gegen den Oberschenkel mehr als ein paar Millimeter verschoben werden kann. Bei der positiven vorderen Schubladenprobe lässt sich der Unterschenkel gegen den Oberschenkel deutlich verschieben, damit ist die Diagnose bestätigt.

Schwieriger gestaltet sich die Diagnosestellung beim chronisch schleichenden Verlauf des Kreuzbandrisses, dabei schwächt sich das Band schubweise ohne die komplette plötzliche Ruptur. In solchen Fällen wird uns meist eine wechselnde Lahmheit des betroffenen Hinterbeines berichtet, weiterhin Probleme beim Aufstehen nach längerem Liegen und das „Einlaufen“ nach dem Aufstehen. Bei der tierärztlichen Untersuchung wird häufig auf der Innenseite des Kniegelenks eine derb-feste Schwellung ertastet und eine Einschränkung der Beweglichkeit des Gelenkes festgestellt. Röntgenbilder/CT lassen in der Regel eine mehr oder weniger schwere Arthrose erkennen.

Grundsätzlich ist ein gerissenes Kreuzband OP-pflichtig.

Eine Vielzahl von Operationstechniken

Ursprünglich gab es eine Vielzahl von Operationstechniken zur Versorgung des Kreuzbandrisses.

Durchgesetzt haben sich aber die Techniken (TPLO/TTA), die die Biomechanik des Kniegelenks verändern, sodass das vordere Kreuzband überflüssig gemacht wird. Grundgedanke dahinter ist die Beobachtung, dass die Gelenkfläche des Unterschenkels mehr oder weniger stark nach hinten geneigt ist. Durch diese schiefe Ebene treten bei jedem Schritt Scherkräfte auf, d.h. die Gelenkfläche des Unterschenkels will sich relativ zum Oberschenkel nach vorne verschieben, bzw. der Oberschenkel will sich relativ zum Unterschenkel nach hinten verschieben. Um dies zu verhindern gibt es das vordere Kreuzband.

Wichtig: Neben dem Patienten, der akut vom Kreuzbandriss betroffen ist, macht es auch Sinn einen Patienten mit chronischem Verlauf eines Kreuzbandrisses operativ zu versorgen, denn wir können zwar die schon vorhandene Arthrose nicht beseitigen, aber deren Fortschreiten stark verzögern, wenn nicht sogar stoppen.

Im Rahmen der TPLO-Operation beseitigen wir die schiefe Ebene, sodass wir kein vorderes Kreuzband mehr brauchen, da keine Scherkräfte mehr auftreten.

Zur genauen Planung der TPLO- Operation werden digital, exakt gelagerte Röntgenbilder am OP-Tag angefertigt. Es erfolgt ein präoperatives Ausmessen des zu korrigierenden Winkels und eine Beurteilung der möglicherweise schon vorhandenen Arthrose.

Wichtig im Rahmen der TPLO- Operation ist eine absolut sterile Vorgehensweise und der Einsatz von erprobten Implantaten.

Der Vorteil der TPLO Technik ist, dass der Patient frühzeitig beginnt das Bein wieder zu belasten und das vordere Kreuzband überflüssig gemacht wird. Denn bei Kreuzbandoperationstechniken, die auf den ausschließlichen Ersatz des gerissenen Bandes abzielen, besteht immer die Gefahr, dass durch das weiter bestehen der „schiefen Ebene“, die Scherkräfte, den Bandersatz erneut zerstören und somit eine weitere Operation erforderlich machen.